Die Apokalypse erreicht München

Lieber Don Willi,

b.schrade)

Jürgen Klinsmann (Foto: b.schrade)

es ist nicht zu fassen. Als wenn mit meinem Start in diesem Blog der Fluch über die Bayern gekommen wäre. 3:3 gegen Bochum, zu Hause, zur Wiesn-Zeit, nach zwei Liga-Niederlagen, nach 3:1-Führung. Unfassbar. Unfassbar?

75 Minuten lang schien es in diesem Spiel so, als hätte der FC Bayern wenigstens zur Normalform zurück gefunden. Erst die Führung durch van Buyten, der Martin Demichelis ganz en passant zeigte, wie ein Sechser spielen muss: Den gewonnenen Ball aus der Abwehr schnell, präzise und steil nach vorne gepasst, nachgesetzt und zum Abschluss einer schnellen Kombination dann selbst verwandelt. Dann zwar der Ausgleich durch Bochum, entstanden durch nachlässige Abwehrarbeit, aber pünktlich vor der Pause wuchtete Bayern mit einer Energieleistung den Ball doch noch zur erneuten Führung über die Linie.

Nach der Pause dann mittelmäßiges, aber souveränes Spiel, irgendwann fällt das 3:1, der doppelte Torschütze Ze Roberto wird ausgewechselt und darf sich seinen Applaus abholen. Alles im Plan also. Letzte Saison hätte der FC Bayern noch einen Lattenkopfball kassiert und das Spiel langweilig mit 3:1 nach Hause gebracht.

Nicht so in dieser Saison. Da schlampt man erst in der Innenverteidigung, kassiert nach allerdings auch schöner Bochumer Kombination das Anschlusstor. Und nur zwei Minuten später darf sich der Bochumer Kaloglu auf dem rechten Flügel durchsetzen, den Ball über den ganzen Strafraum hinweg flanken, Rensing verhält sich in diese Szene so, wie er es von Kahn gelernt hat: unterläuft und unterschätzt also den Ball, und am langen Pfosten darf ein Bochumer einköpfen.

Wiederum waren es ein paar Personalien, an denen sich die Niederlage festmachen lässt.

Martin Demichelis spielte erneut auf der Sechser-Position vor der Abwehr, um nach Klinsmanns Willen die Defensive zu stabilisieren. Gegen den VfL Bochum, eine prototypische Fahrstuhlmannschaft, will Klinsmann in einem Heimspiel die Defensive stärken? Nicht nur, dass diese Maßnahme also wieder die Offensive schwächte, da ein Mark van Bommel oder auch Tim Borowski auf der Bank bleiben mussten. Nein, auch die Stabilisierung der Defensive gelang wohl kaum: drei Gegentore sprechen eine genauso deutliche Sprache wie Demichelis‘ Verhalten beim 1:1, als er nicht merkte, dass er mit in den Strafraum hätte rücken müssen, um den freien Bochumer Torschuss zu verhindern. Offensiv nichts gebracht, defensiv ein Tor wenigstens mitverschuldet, insgesamt drei gefangen: Martin Demisaster.

Dazu kommt, dass Franck Ribéry nach seiner langen Verletzung noch nicht wieder in Form ist, Bastian Schweinsteiger weiter die Ecken schießen darf und Miroslav Klose seine Krise offensichtlich nur losgeworden ist, indem er sie Luca Toni an die Stollenschuhe geschmiert hat.

Und auch Michael Rensing verschuldete heute wieder ein Gegentor, nämlich den Ausgleich: Einen Ball, der gefühlte 10 Minuten in der Luft ist und drei, vier Meter vor dem Tor wieder herunter kommt, hat ein guter Torwart auch schon mal einfach gefangen. Man müsste ihn halt nur richtig einschätzen. Können.

Jürgen Klinsmann sprach nach dem Spiel im Interview davon, man müsse die Situation jetzt so nehmen, wie sie ist, und weiter arbeiten. Genau dasselbe hatte er schon nach den letzten Niederlagen erklärt. Anscheinend hat er in Kalifornien vergessen, dass sich „war fleißig und hat sich stets bemüht“ im Arbeitszeugnis nicht gut macht. Wer weiß, wann er es in der Hand halten wird? Søren Lerby war inklusive Winterpause genau fünf Monate Trainer bei Bayern München. Jürgen Klinsmann müsste sich bis zur Winterpause halten, um diesen Negativ-Rekord nicht zu brechen. Das wird schwer.

Herzliche Grüße,
surfguard

(Foto: b.schrade)

Schlagworte: , ,

Kommentieren