Schwindelig rotiert: Bayern verliert in Hannover
Zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge kassierte der große FC Bayern München in seiner Geschichte nicht oft, besonders nicht zu Beginn einer Saison. Selbst Otto Rehagel und der legendäre Sören Lerby, die als Bayern-Trainer beide ihre erste Saison nicht überlebten, hatten nach dem sechsten Spieltag eine bessere Bilanz als jetzt Jürgen Klinsmann: 2 Siege, 2 Remis, 2 Niederlagen.
Wer die Partie gestern sah, erkannte auch schnell, woran es oberflächlich lag: Zu keinem Zeitpunkt konnte der Bayern etwas aufziehen, das den Namen “Kombinationsfußball” verdient gehabt hätte - und das gegen Hannover 96, als Stadt wie als Fußballverein der Inbegriff der Mittelmäßigkeit.
Wie sollen auch Spieler miteinander kombinieren, die noch nie zusammen in einer Mannschaft Fußball gespielt haben? Im Vergleich zum desaströsen Bremen-Spiel hatte Klinsmann die Startaufstellung auf vier Positionen verändert. Das kann man nach einer 2:5-Niederlage sogar normal finden. Allerdings entstand angesichts der konkreten Umstellungen unweigerlich der Eindruck, Klinsmann wolle die Mannschaft gegen Hannover für das Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Lyon schonen und habe sich dabei schlimm verkalkuliert: In der Abwehr bekam Breno seinen ersten Bundesligaeinsatz von Beginn an. Speziell im Mittelfeld aber ließ Klinsmann mit dem wieder genesenen Ribery, Ze Roberto, Schweinsteiger und Toni Kroos alle Spieler auf der Bank, die bei Bayern das Spiel machen können. Zwar lief Tim Borowski endlich von Beginn an auf, konnte jedoch aus einer taktischen Position knapp hinter den Spitzen nicht entscheidend zur Spielgestaltung beitragen. Bis zu ihm kamen die Bälle meist gar nicht erst.
Und so sah das Spiel der Bayern dann aus: Aus der Abwehr ins defensive Mittelfeld, vergebliche Suche nach einer Anspielstation, kein Mut zum Dribbling, also ein halbhoher Chip-Pass auf einen der beiden Angreifer, die so undanbaren Bälle nur postwendend wieder verlieren konnten, zumal sie nicht einmal präzise gespielt waren. Schon in der ersten Hälfte schimpfte Miro Klose wie ein Rohrspatz mit seinen Mittelfeldspielern. Und in der zweiten Hälfte, als Ribery ins Spiel kam, wurde das Spiel der Münchner nicht besser, weil auch der Franzose keine Anspielstationen hatte und für eine geniale Einzelleistung nach der langen Verletzungspause offensichtlich doch noch etwas Substanz fehlt. Ergebnis: Im ganzen Spiel nur ein, zwei zwingende Torchancen, inklusive der von Martin Demichelis aus der 7. Minute.
Diese Niederlage wird sich Jürgen Klinsmann ankreiden lassen müssen. Nach einer historischen Niederlage wie der gegen Bremen und einem mäßigen Pokalsieg gegen den Zweitligisten Nürnberg hätte in Hannover die beste und eingespielteste Mannschaft auf’s Feld gehört, um mit einem Sieg wichtiges Selbstvertrauen für die Champions League zu sammeln.
Eins muss Klinsmann nämlich klar sein: Für Feedback in Sachen Rotation ist beim FC Bayern München nicht der cholerische aber herzensgute Uli Hoeneß zuständig - sondern Karl-Heinz Rummenigge. Und den nennen sie nicht umsonst “Killer-Kalle”.
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